Hoffnung trotz Tränen
von Francesco Bertolina - 4 November 2009 ·
In einem meiner Seelsorge anvertrauten Dorf ist vor dem Sommer eine junge Mutter auf tragische Weise ums Leben gekommen. Sie war mit einer brennenden Zigarette eingeschlafen und im Schwehlbrand erstickt. Drei Kinder von drei verschiedenen Vätern blieben zurück. Vor zwei Jahren hatte sich die junge Frau mit ihrer Mutter taufen lassen. Sie hatte den Wunsch gehabt, vom Alkohol wegzukommen. Es war immer wieder Thema, auch in den Katechesen für die Taufvorbereitung. Einige Tage vor ihrem Tod hatten wir noch miteinander telefoniert.
Diese junge Frau mit ihren guten und ehrlich gemeinten Absichten, bei denen es aber leider immer blieb, hat mir gezeigt, dass nicht nur sie, sondern auch ich meine Grenzen habe.
Als ich von ihrem plötzlichen Tod erfuhr, bin ich in Tränen ausgebrochen. Ich weinte, weil ich ein genauso elender und bedürftiger Mensch war wie sie. Ich weinte um ihre drei Kinder, die in einem 200 Kilometer entfernten Waisenhaus lebten, aber den Sommer mit der Mutter verbrachten. Am folgenden Tag machte ich mich auf den Weg ins Dorf dieser jungen Frau. Zuvor wollte ich im Waisenhaus vorbei fahren. Wie sollte ich den Kindern diese schreckliche Nachricht vermitteln? Ich betete.
Die Leiterin der Einrichtung hatte den Kindern noch nichts gesagt. Diese wunderten sich nicht, mich zu sehen, da es der vorletzte Schultag war. Das Jüngste der Geschwister, eine Achtjährige, setzte sich zu mir ins Auto und sagte: „Mama wird sich freuen, dass wir heute kommen!“ Die Kinder mögen mich und haben keine Scheu vor mir. Als wir aus dem Fenster auf das satte Grün schauten, das der Dauerregen hervorgebracht hatte, sagte ich ihnen, dass Gott groß sei, weil er uns eine so schöne Welt gegeben hat. Ich sprach von der Schöpfung und vom Schöpfer, wobei ich sie durch Fragen einbezog: „Wer hat alles geschaffen?“ – „Wer hat uns erschaffen?“
Dann bin ich allmählich auf Leben und Tod zu sprechen gekommen und habe sie an den Tod und die Beerdigung ihrer Großvaters erinnert, der vor zwei Jahren gestorben war. „Wo ist der Großvater jetzt? Wer kann das wissen…. Aber wird man im Paradies wohl noch weinen?…”
An diesem Punkt habe ich den Wagen angehalten und den Kindern gesagt, dass ihre Mutter dabei sei, in den Himmel zu fliegen und dass wir ihr mit unserem Gebet helfen müssten. Was wir nachher von ihr sehen würden, sei nur ihr Körper. Sie sei für die Erde gestorben, doch ihre Seele lebte weiter, und eines Tages, wenn Gott es wollte, würden wir sie wieder sehen.
Es folgte ein langes Schweigen. Die Kinder schauten sich an und weinten. Dann sagte die Jüngste plötzlich: „Mama ist jetzt mit Großvater im Paradies“. Sie gewannen die Sicherheit, dass die Mutter lebte, auch wenn sie sie nicht mehr sehen würden. Diese Sicherheit verließ sie weder bei der Beerdigung noch in den folgenden Tagen, als sie im Waisenhaus darauf warteten, dass eine Tante die Papiere für die Adoption regelte.
Eben diese Gewissheit ist das größte Geschenk, das mir Gott durch dieses Ereignis gemacht hat. Alle sind beeindruckt, die es gesehen haben. Zum Beispiel, eine Frau aus dem gleichen Dorf, eine Freundin der Tante, die mich um eine Mitfahrgelegenheit in Richtung Novosibirsk gebeten hatte, als ich dabei war, die Kleinen ins Waisenhaus zurückzubringen. „Ich verstehe es nicht, weshalb sie nicht um ihrer Mutter trauern”, sagte sie mir erstaunt, „ich würde ununterbrochen weinen.” Ich antwortete ihr, dass die Kinder in ihren Herzen statt der Trauer die Gewissheit haben, dass es das ewige Leben gibt, und die immense Hoffnung, die Mutter im Himmel wieder zu sehen.














