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Wieder bei Maria

von Luca Speziale - 26. Mai 2011 ·  

Als ich klein war, vielleicht acht oder neun Jahre alt, lag ich oft bis sehr spät in der Nacht wach. Viele Dinge gingen mir durch den Kopf. Oft machte ich mir Gedanken über das Jenseits. „Was wird sein nach dem Tod? Wer wird auf uns warten? Wie lange wird es dauern?“ Eines Nachts ging ich in das Schlafzimmer meiner Eltern. Ich weckte meine Mutter und erzählte ihr von meinen Ängsten und von meinen Fragen und dass ich nicht einschlafen konnte. Sie antwortete mir: „Mach dir keine Sorgen! Nimm den Rosenkranz, bete zur Muttergottes, und du wirst sehen, dass alles gut wird.“
Ich nahm damals den Rosenkranz, den mir meine Großmutter geschenkt hatte. Er war schwer, hatte dicke Perlen, vielleicht aus Glas. Und ich begann: „Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade…“ Nach einigen Minuten verschwanden meine Zweifel, Ängste und Fragen, und ich fiel in einen tiefen Schlaf.
Nach der Grundschule hörte ich auf zu beten, bis zum letzten Jahr der Universität. Damals begegnete ich einem Priester der Bruderschaft. Ich erzählte ihm von meiner Schwierigkeit, die Gegenwart Jesu als etwas Reales zu erleben. Er sagte mir: „Warum beginnst du nicht wieder zu beten? Vielleicht ein Gesätzchen vom Rosenkranz am Morgen…“
Ich erinnerte mich an die Worte meiner Mutter in jener Nacht und begann, den großen Rosenkranz meiner Großmutter zu suchen. Natürlich fand ich ihn in dem Durcheinander in meinem Zimmer nicht. Also kaufte ich mir einen. Es war, als wäre ich wieder ein Kind, mit dem einfachen Glauben, den mich meine Mutter und meine Großmutter gelehrt hatten.
Im Seminar habe ich dann die Jahre hindurch versucht, das zu pflegen, was mir in der Zwischenzeit fast zu einer guten Gewohnheit geworden ist. Wenn mich die kleinen Wunden des Tages – ein patziges ‚Nein’ zu jemandem oder die Grobheit eines anderen mir gegenüber – nicht ruhig lassen, halte ich kurz inne, wenn es auch nur für wenige Minuten ist. Ich bete ein Gesätzchen vom Rosenkranz und sage mir: „Mach dir keine Sorgen, bete zur Muttergottes!“ So verstehe ich allmählich, was mir meine Mutter beigebracht hat. Anstatt auf jede noch so kleine Frage eine Antwort zu suchen, wende ich mich an diejenige, die allein mir den Frieden schenken kann, indem sie mich auf dem rechten Weg begleitet.

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